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,,Ihr seid nicht die Diagnose'' | Look Good Feel Better in den Badischen Neuen Nachrichten

von Marina Struth am

 

Unsere langjährige Kosmetikexpertin Irmi Ries spricht im Interview mit Redakteurin Pia Jäger der Badischen Neuen Nachrichten über ihr Ehrenamt für Look Good Feel Better:

 

,,Ihr seid nicht die Diagnose''

 

Irmi Ries hilft Krebspatientinnen in Kosmetikseminaren dabei, ihren Blick auf sich selbst zurückzugewinnen

 

Bruchsal. Das Kosmetikseminar von DKMS und „Look Good Feel Better" in der Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal ermutigt Krebspatientinnen, an sich zu denken und neues Selbstbewusstsein zu gewinnen. Iml nterview spricht Kosmetikerin lrmi Ries darüber, warum Krebspatientinnen den Blick auf sich selbst nicht verlieren dürfen.

Seminare für Krebspatientinnen – woher kommt die Idee?
Ries: Haarausfall, Verlust von Wimpern und Augenbrauen, Hautirritationen durch Chemo oder Bestrahlung – all das kann tiefe Spuren hinterlassen. Plötzlich erkennt man sich im Spiegel kaum wieder. Die äußeren Veränderungen werden zu sichtbaren Zeichen einer unsichtbaren Belastung.

Kommt der Blick auf sieh selbst zu kurz?
Ries: So ist es. Der achtsame Umgang mit sich selbst wird durch die Krankheit und die vielen Behandlungen oft zurückgestellt. Dabei steckt in den Momenten der Selbstfürsorge eine ungeheure Kraft. Schon ein liebevoller Blick in den Spiegel, selbst an schweren Tagen, kann Mut und neue Zuversicht schenken. Deshalb appelliere ich an die Frauen: Tut etwas für euch. damit euch die Krankheit nicht immer im Spiegelbild entgegenkommt. Mit einem Make-up, das Mut macht. Kosmetik als ein Stück Normalität, als Therapie und Lebenshilfe.

Kosmetik bedeutet also mehr, als nur gut auszusehen?
Ries: Einerseits dient Make-up bei Krebspatientinnen als Schutz vor mitleidigen Blicken. Andererseits ist Schönheit Ausdruck von Echtheit, Tiefe und Seele. Ich orientiere mich an der japanischen Kunst des Kintsugi, die uns zeigt, dass Zerbrochenes nicht das Ende bedeutet, sondern der Beginn einer neuen, einzigartigen Geschichte. Diese Philosophie ist für mich ein Bild für unsere Lebensspuren. Darin liegt unsere Schönheit: Im Leben sammeln wir Spuren, sichtbare und unsichtbare Narben. Oft versuchen wir, diese Brüche zu verstecken, als wären sie ein Makel. Ich ermuntere die Frauen, ihre Einzigartigkeit zu zeigen durch Schönheit in der Verletzlichkeit.

Wie ist an Ihrem Seminar anders?
Ries: Wir machen das für maximal zehn Teilnehmerinnen, von denen jede eine Tasche mit Pflege- und Make-up-Produkten bekommt. Alles kostenlos. In den zwei Stunden dürfen sie alles ausprobieren. Außerdem zeige ich den Frauen, wie sie fehlende Augenbrauen und Wimpernkranz schminken können. Gebe ihnen Tipps zur Pflege der empfindlichen Haut und zum wichtigen Sonnenschutz. Und ich zeige ihnen, wie sie mit wenigen Handgriffen ein Kopftuch binden können.

Sie sind Make-up-Artistin, Kosmetikerin, Permanent-Make-up-Spezialistin mit Ausbildung in medizinischer Pigmentierung, aber auch Coach und Mentorin ...
Ries: Fürsorge für Frauen zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Und Schönheit beeinflusst meinen beruflichen Weg auch schon immer. Ich habe Frauen in allen Lebensphasen begleitet, von der Pubertät bis ins hohe Alter. Ich möchte ihnen helfen. ihre innere Kraft zu entwickeln. herauszufinden, wer sie sein wollen, wie sie aussehen möchten oder was Weiblichkeit für sie bedeutet.

Wie kamen Sie zur Deutschen Knochenmarkspenderdatei?
Ries: Auf die Kosmetikseminare bin ich über eine Anzeige in einer Fachzeitschrift aufmerksam geworden. Mittlerweile habe ich in über 30 Jahren in den "Look Good Feel Better"-Kosmetikseminaren rund 2.000 Frauen begleitet. Begegnungen, die mein Herz tief berührt und meine Berufung bestärkt haben, Frauen in herausfordernden Lebensphasen zur Seite zu stehen.

Dann haben Sie sich zur psychoonkologischen Beraterin ausbilden lassen. Aufgrund eines persönlichen Erlebnisses ...
Ries: Ja, 2020 starb meine Schwester Iverl an Krebs. Dieses Abschiednehmen war unendlich schmerzlich, aber zugleich eines der größten Geschenke meines Lebens. Während ihrer langen Krankheit konnten wir über alles sprechen: über Hoffnung, Wut, Angst, Schmerzen. Über Liebe und Lust. Über das Sterben, das Loslassen - und die Zuversicht auf ein Wiedersehen.

Welchen Tipp geben Sie den Frauen, die an Ihren Seminaren teilnehmen, mit auf den Weg?
Ries: Ich sage meinen Teilnehmerinnen immer: Ihr dürft euch schön fühlen – nicht irgendwann nach der Therapie, sondern jetzt. Ihr dürft euch wieder ein Stück näherkommen – und ihr seid mehr als das, was gerade mit euren Körpern passiert. Ihr seid ihr selbst – nicht Patientin, nicht Diagnose.

Das Gespräch führte Pia Jäger

Das Interview mit Irmi Ries aus der Ausgabe Nr. 28 der Badischen Neuen Nachrichten / Bruchsal

Quelle: Badische Neue Nachrichten (BNN) / Pia Jäger

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