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Jennifers Weg mit Krebs: „Das Leben ist zu kurz, um keinen Spaß zu haben“
von Marina Struth am
Als Jennifer letzten Oktober die Diagnose triple-negativer Brustkrebs erhält, verändert sich ihr Leben schlagartig. 16 Chemotherapien, eine Operation und Bestrahlung stehen ihr bevor. „Ich habe gemerkt, wie schnell sich alles verändern kann“, erzählt die 27-Jährige.
Ende 2024 verlor sie ihren Vater an Leukämie, während ihrer eigenen Therapie eine enge Freundin an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Diese Verluste haben sie geprägt – und ihr gezeigt, wie wertvoll jeder Moment ist. Für Jennifer wird klar: „Das Leben ist zu kurz, um keinen Spaß zu haben.“ Sie besucht Konzerte, unternimmt kleine Reisen und genießt, was ihr aktuell gesundheitlich möglich ist. Der Krebs soll nicht bestimmen, wer sie ist. „Ich versuche, ihn in den Hintergrund zu drücken und ihn nicht zu meiner Persönlichkeit zu machen.“

Jennifer und ihr Partner in Amsterdam

Jennifer und ihr Partner auf einer Schlagerparty

Jennifer mit ihren Freundinnen an Silvester
Kraft schöpft Jennifer vor allem aus ihrem Umfeld. An erster Stelle steht ihr Partner, der sie im Alltag unterstützt – mit kleinen Gesten, Fürsorge und viel Verständnis. Ob Massagen, aufmunternde Worte oder spontane Besorgungen. Auch Familie und Freunde geben ihr Halt. Kleine Aufmerksamkeiten, offene Gespräche und einfach das Gefühl, nicht allein zu sein, helfen ihr durch schwierige Tage.
Wenn die Krankheit sichtbar wird
„Drei Wochen nach der ersten Chemotherapie, fielen mir die ersten Haare aus – das war der Moment, an dem die Krankheit sichtbar wurde. Ich wollte den Krebs nicht weiter bestimmen lassen und entschied, mir die Haare selbst zu kürzen, allein im Badezimmer“, erinnert sich Jennifer.
Später rasierte sie sie komplett ab. Ein schwerer Schritt – besonders, weil sie ihr Leben lang für ihre naturroten Haare bewundert wurde. Doch es war für sie auch ein Weg, die Kontrolle zurückzugewinnen.
Mit Mützen, Tüchern und gelegentlich Perücken fand sie neue Wege, sich wohlzufühlen.

Jennifer schneidet ihre Haare ab
Neue Stärke durch Selbstfürsorge
Ein wichtiger Wendepunkt war für Jennifer die Teilnahme an einem Look Good Feel Better Kosmetikseminar. Dort lernte sie nicht nur praktische Tipps rund um Hautpflege und Make-up, sondern fand auch neuen Zugang zu sich selbst.
„Ich habe wieder mehr Spaß daran, mich zu schminken“, sagt sie. Trotz ausgefallener Wimpern und Augenbrauen entdeckte sie neue Möglichkeiten, ihre Gesichtszüge zu betonen. Kleine Tricks – wie das Tuschen verbliebener Wimpern oder das Nachzeichnen der Brauen – machten einen großen Unterschied.
Die tägliche Pflege wurde für sie mehr als Routine: ein Moment der Selbstfürsorge in einer herausfordernden Zeit.

Jennifer nach dem Look Good Feel Better Kosmetikseminar
Gemeinschaft, die trägt
Besonders wertvoll war für Jennifer der Austausch mit anderen Betroffenen. Im Seminar entstand ein Raum voller Offenheit, Verständnis und gegenseitiger Unterstützung.
„Mir haben während des Seminars so viele der Frauen immer wieder Komplimente gemacht und ich habe gemerkt, dass diese von Herzen kamen, das tat so gut. Wir haben uns untereinander über weitere Schminktipps, unsere Diagnosen und was an schlechten Tagen vielleicht helfen kann ausgetauscht. Das war so schön. Wir haben miteinander so viel Spaß gehabt und herzlich gelacht“, erzählt sie. Diese Gemeinschaft habe ihr unglaublich gutgetan – gerade, weil alle ähnliche Herausforderungen kennen.
Mehr Selbstbewusstsein im Spiegel
Die Teilnahme am Seminar hat auch Jennifers Blick auf sich selbst verändert. Sie fühlt sich heute wieder wohler in ihrer Haut und sicherer im Umgang mit Make-up und Styling.
„Ich fühle mich viel selbstbewusster“, sagt sie. Das Schminken gibt ihr ein Stück Normalität zurück – und das Gefühl, sich selbst etwas Gutes zu tun.

Jennifer fühlt sich wieder selbstbewusster
Jennifer möchte anderen Frauen Mut machen: „Egal, ob man sich viel schminkt oder gar nicht – jede ist willkommen.“ Besonders die Seminare vor Ort empfiehlt sie von Herzen. Der persönliche Austausch, das gemeinsame Lachen und das Gefühl, verstanden zu werden, seien unbezahlbar.
Die Schicksalsschläge in ihrem engsten Umfeld und ihre eigene Diagnose haben Jennifer eindrücklich vor Augen geführt, wie kostbar Zeit ist – und wie wichtig es ist, jeden Augenblick bewusst zu leben, schöne Momente zu sammeln und Dinge, die einem am Herzen liegen, nicht mehr auf morgen zu verschieben.